
Kickboxen - der populäre, moderne Wettkampfsport. Ausgebildet wird im
Leichtkontakt und Vollkontakt Kickboxen
sowie in der Selbstverteidigung. Für Jungen und Mädchen ab ca. 14 Jahren und
Erwachsene. Es unterrichtet Bernd Rosenau.Kickboxen damals, gestern und heute
Eine kurze Geschichte über die Entstehung und Entwicklung unseres Kickbox Sportes (etwas ausführlicher als für die Gürtelprüfung).
Wer hat Kickboxen erfunden und wann wurde es erfunden?
Unser Kickboxverband, die WAKO - World, wurde im Jahre 1977 gegründet, doch bis dahin hatte dieser Sport, wie wir ihn heute innerhalb dieser Organisation kennen, eine jahrelange Entwicklung hinter sich. Das Kickboxen wurde auch nicht von einer Person erfunden, jedoch hatten oder haben einige Personen einen großen Einfluss auf die Geburt und die Entwicklung dieses Wettkampfsports.
Wie es begann!
Mit dem Ende des 2. Weltkrieges wurden eine Reihe fernöstlicher Kampfkünste in die USA importiert. Dies erfolgte durch amerikanische Soldaten, die in besetzten Ländern wie Japan, Okinawa und Südkorea in ihrer Freizeit diese Kampfkünste lernten und durch Asiaten, die in die USA einwanderten. Im Unterschied zu ihren asiatischen Meistern und deren Anhänger entsprach es jedoch nicht der Mentalität vieler Amerikaner eine Kampfkunst nur seiner selbst willen zu lernen. Die Amerikaner wollten praktische Anwendung in Form von sportlichen Wettkämpfen und das nicht nur innerhalb eines Stils / Systems, sondern stiloffen. Keine Tae-Kwon-Do, Shotokan, Hap-Ki-Do, Kung Fu Meisterschaften oder ähnliches, sondern Turniere, an denen alle Stile / Systeme teilnehmen konnten. So entstand in den 60iger Jahren ein Wettkampfbetrieb in den USA mit einer Wettkampfordnung, die für alle Stile faire Voraussetzungen schaffen sollte. Diese Form des Wettkampfes wird auch heute noch betrieben und als Pointfighting bezeichnet.
Als der inzwischen verstorbene Berliner Sportschulbesitzer Georg F. Brückner 1969 das erste Mal in die USA kam und diese Turniere sah, staunte er nicht schlecht. Das war genau das, wovon er immer träumte. Turniere mit mehr als 1000 Teilnehmern und nicht mehr jeder für sich, sondern alle möglichen Stile ermitteln ihre besten Wettkämpfer. Brückner nannte diese Form der Wettkämpfe All-Style-Karate und hatte die Idee, diese Wettkampfform auf der ganzen Welt zu verbreiten.
Das Kämpfen mit anderen Stilrichtungen reichte einigen Amerikanern noch lange nicht. Sie wollten sehen, was in einem sportlichen Zweikampf passiert, wenn ihre Techniken wirklich treffen. Da war z.B. der Karate Star Joe Lewis, der von 1966 bis 1969 ungeschlagener Grandchampion auf allen Karateturnieren in den USA war. 1969 begann er mit dem in den USA lebenden Schauspieler Bruce Lee zu trainieren und parallel dazu mit Profi Boxern. Bruce Lee ging in seinem Bestreben nach einem offenen Kampfstil noch weiter. Er beschränkte sich nicht nur auf das Erlernen eines Systems (Wing Chun), sondern beschäftigte sich darüber hinaus mit diversen anderen Kampfsystemen wie Tae-Kwon-Do, Ringen, Boxen, Fechten, etc. und auch mit sportwissenschaftlichen Themen wie Ausdauer-, Kraft- und Schnelligkeitstraining. Außerdem experimentierte auch er schon länger mit dem Einsatz von Schutzausrüstung im Kampfsporttraining, da er das sogenannte Trockenschwimmen (dry-land-swimming) satt hatte.
Am 17. Januar 1970 fand In Long Beach (Kalifornien) der erste offizielle Fullcontact-Kampf statt. Barfüßig und nur mit Boxhandschuhen geschützt besiegte Joe Lewis seinen Landsmann Greg Baines durch K.o. Somit kann man Joe Lewis sicherlich als einen der Pioniere dieses Sports bezeichnen. Dennoch gab es noch keine Organisation, die zu dieser Zeit solche Kämpfe regelmäßig durchgeführt hat. Außerdem gab es zu diesem Zeitpunkt noch keine Schutzausrüstung, die den Wünschen und Anforderungen von Karate-Kämpfen mit Kontakt entsprachen.
Letztlich war es der in Washington lebende Koreaner Jhoon Rhee, der angeregt durch Sportler wie
Joe Lewis und Bruce Lee 1974 das erste einsatzfähige Safe-T Equipment auf den Markt brachte.
Nun war es möglich, mit Kontakt zu kämpfen ohne schwere Verletzungen davon zu tragen.
Für "tödlich" gehaltene Techniken konnten nun in der Praxis umgesetzt werden,
das Semicontact-Karate war geboren.
Ein weiterer Amerikaner, der diese Form des Wettkampfsportes besonders forcierte, war Mike Anderson.
Er veranstaltete z.B. die TOP TEN NATIONALS, ein Semicontact-Turnier, auf dem das erste Mal mit
Rhee Safetys und Regeln gekämpft wurde, wie wir es heute kennen. Zu dieser Zeit war Mike Anderson
auch Verleger der Kampfsportzeitschrift "Professional Karate" und hatte dadurch Möglichkeiten den
jungen Sport populär zu machen. Er war in der Lage den Siegern seiner Turniere hohe Preisgelder
zu zahlen.
Die Geburt!
Im Februar 1974 berieten G. F. Brückner und Mike Anderson unter der Sonne Acapulcos die Zukunft dieses Sportes. Die Verwirklichung des Traumes von G.F. Brückner eines weltweiten Turniersports sollte nun beginnen. Und so beschlossen Brückner und Anderson ein großes Turnier für Europa und eine erste Weltmeisterschaft in den USA auszurichten.
17. Mai 1974
G. F. Brückner veranstaltete in der Berliner Deutschlandhalle die ersten Europameisterschaften
im All-Style-Karate, an der 88 Schwarzgurte unterschiedlichster Kampfkunst/ -Sportrichtungen aus
ganz Europa teilnahmen. Es wurde nach den Regeln des amerikanischen Pointfighting gekämpft, da
es zu diesem Zeitpunkt noch keine Schützer auf dem europäischen Markt gab. Am Abend
kämpften die Amerikaner Howard Jackson, Bill Wallace, Jeff Smith, Jim Butin und Joe Lewis
gegen die Sieger der Europameisterschaften. Mit dem klaren Sieg der US Boys wurde deutlich, welchen
Vorsprung die Amerikaner bei stiloffenen freien Wettkämpfen hatten. Als special guests kamen
Linda Lee, die Frau des verstorbenen Bruce Lee, Jhoon Rhee, Park Jong Soo, Al und Malia Dacascos,
Hidy Ochiai, Fumio Demura und viele mehr.
14. Sept. 1974
Gegen großen Widerstand im Lager der Traditionalisten veranstaltete Mike Anderson die erste
Weltmeisterschaft im Fullcontact. Unter dem Banner der von Mike Anderson gegründeten
PKA (Professional Karate Association) kämpften 16 Kampfsportler, darunter 4 aus Europa um die
Weltmeisterschaft im "Fullcontact".
Die Übertragung durch einen Fernsehsender wurde durch die Beziehungen des Teilnehmers Joe Lewis
möglich. Einer seiner Schüler, Tom Tannenbaum, der bei Universal Television das Amt des
Vize-Präsidenten bekleidete, machte die Übertragung möglich. Die 13.000 Zuschauer
in der Long Beach Sports Arena waren ebenso begeistert wie die TV Anstalt ABC, die die Ausstrahlung
der Kämpfe dreimal wiederholte.
Und ab nach Europa
1975
G. F. Brückner setzte einen weiteren Meilenstein in der Geschichte des jungen Sportes.
Er veranstaltete die zweite Europameisterschaft im All-Style Karate in der Berliner Deutschlandhalle
und im Abendprogramm den ersten Fullcontact-Kampf auf deutschem Boden. Ca. 8000 Zuschauer waren Zeugen
dieser Premiere. Nun wollte man auch in Europa Fullcontact kämpfen.
1976
In Paris sollte die erste Große Fullcontact-Gala stattfinden, wobei die besten Europäischen
Kämpfer gegen die besten Nordamerikanischen Kämpfer antreten sollten. Eigens hierfür
wurde in Gelsenkirchen ein großes Ausscheidungsturnier veranstaltet, bei dem erstmals deutsche
Sportler mit den Schaumstoffschützern Jhoon Rhees mit vollem Kontakt kämpfen konnten. Die
Sieger dieser Veranstaltung konnten im Angesicht der zu der Gala in Paris geladenen US Boys kaum
über das Ansehen von Selbstmordkanditaten hinauskommen. Der Vorsprung der Amerikaner war zu
groß. So verlor z.B. der deutsche Dieter Herdel in den ersten 20 Sec. der ersten Runde gegen
Bill Wallace. Der einzige Europäer, der gewinnen konnte, war der Franzose Dominique Valera. Er
kämpfte auf Seiten der USA, wo er für den zurück getretenen Joe Lewis einsprang und
den deutschen Kunibert Back durch K.o. bezwang.
Jetzt wird die WAKO gegründet
Noch im selben Jahr wurde von G. F. Brückner, Mike Anderson und weiteren europäischen Kampfsportpionieren wie Ennio Falsoni, Jan Stocker, Pierre Schup, Peter Land, Gert Lemmens, Gustav Baaden, Peter Blankenburg u.a. die "WMAA: World Martial Arts Association" gegründet, die im Februar 1977 zu Gunsten der "WAKO: World All-Style Karate Organisation" aufgelöst wurde. Die WAKO, die noch heute unter dem Namen "World Assoziation of Kickboxing Organisation" tätig ist, begann 1977 im jährlichem Wechsel Europa- und Weltmeisterschaften zu veranstalten. Oberster Gedanke der WAKO war die Ausübung eines Amateursports, wie er z.B. auch im Boxen betrieben wird. In Amerika verfolgte man im Gegensatz zu Europa mehr den professionellen Weg. Das Fullcontact wurde organisiert wie das Profiboxen. Es wurde als die professionelle Art des Karate vermarktet. So kam es auch, dass bei zukünftigen Turnieren der WAKO oftmals Profis im amerikanischen Team vertreten waren.
1978
Und wieder war es G.F. Brückner, der die erste WAKO Weltmeisterschaft im Vollkontakt
in der Berliner Deutschlandhalle veranstaltet hat. Ca. 8000 Zuschauer konnten Sportler aus 16 verschiedenen Nationen
kämpfen sehen. Der Vorsprung der Amerikaner war geschrumpft, so konnten z.B. Peter Habrecht
erster deutscher Vollkontaktweltmeister werden. Deutschland wurde hinter den USA zweiter in der Team
Wertung.
Rund ums Kickboxen
Namensänderungen
Der sich entwickelnde Sport hatte nicht mehr viel mit dem Karate zu tun, was Traditionalisten darunter verstanden. Aus diesem Grund änderte man den Namen von World All- Style Karate Organisation in "WACO: World All-Style Combatsport Organisation". Mit diesem Namen konnte auch keiner so richtig zufrieden sein, da sich der Name nicht schützen ließ. Es gibt ein Stadt Waco in den USA. Außerdem heißt Combat soviel wie Kriegskunst, womit dieser Sport auch nicht viel zu tun hatte. So wurde die Weltorganisation ab dem 1.1.1982 "WAKO: World ALL-Style Kick-Boxing Organisation" genannt.
1985
Im Jahr 1985 gab es für die Entwicklung des Kickboxsportes einen herben Rückschlag.
Auf Grund von internen Streitigkeiten zwischen den Funktionären G.F. Brückner und E. Falsoni
spaltete sich die WAKO in zwei Verbände, die jeweils getrennt voneinander Welt- und
Europameisterschaften ausrichteten. Beide Verbände nahmen für sich die Alleinvertretung
der ursprünglichen WAKO in Anspruch. Besonders in Deutschland machte sich diese Spaltung bemerkbar,
da der hier lebende Geert Lemmens die Entwicklung der neuen WAKO von E. Falsoni unterstützte und
gegen G. F. Brückner arbeitete. Nach langem und kostspieligem Hin und Her konnte sich
G. F. Brückner zumindest soweit durchsetzen, dass sein Verband weiterhin den Namen WAKO trug.
In sportlicher Hinsicht war das Jahr 1985 für Deutschland ein sehr erfolgreiches. Auf der Brückner
WM in London konnte die deutsche Vollkontaktmannschaft das beste Resultat aller Zeiten erzielen. So
wurden Gabriel Damm, Michael Kuhr, Bodo Daniel, Ferdinand Mack, Alois Hoffmann und Martin Rötzer
Weltmeister.
1987
Noch einmal war es G.F. Brückner, der einen Glanzpunkt in der Geschichte dieses Sports setzte.
Er organisierte in Eigenregie die 10. Weltmeisterschaft der WAKO zum 10-jährigen Jubiläum in
der Olympiahalle in München. Ca. 16.000 Zuschauer in 2 Tagen sahen Sport auf höchstem Niveau.
Zudem kam es zu einem weitgehenden Zusammenschluss der beiden im Jahr 1985 getrennten Verbände.
Seitdem heißt der Weltverband nun "World Assoziation of Kickboxing Organisation" und ist einer
der größten Kickbox Verbände der Welt. Geleitet wird der Verband seit 1987 von Ennio
Falsoni, der ursprünglich mitverantwortlich für die Spaltung war.
Innerhalb Deutschlands kam es zu keinem Zusammenschluss, die beiden Verbände blieben getrennt. Der von G. Lemmens geleitete Verband IASKA spielt heute national wie international keine große Rolle mehr.
Die deutsche Mannschaft konnte auf der WM in München noch einmal auftrumpfen. Die Vollkontaktler P. Hiereth, M. Dimitroff und F. Mack wurden Weltmeister. Ferdinand Mack erreichte dies nun zum vierten Mal. Das konnte ihm bisher kein Amateurkickboxer im Vollkontakt nachmachen. Die Damen kämpften das erste Mal um den Weltmeistertitel in der Disziplin Semicontakt und die Musikformen wurden in das Sportprogramm aufgenommen. Der erste große Star war der Kanadier Jean Frenette.
Sportliche Entwicklungen in der WAKO